Geschichtsgeschichtegeschichte

DAS

„FDJ-Geschichtslehrerkollektiv ‚Fritz Scheffler‘ Neuwürschnitz“

Klingt wie aus einer Zonensatire? Ja, das dachte ich auch, als ich 1994/95 darauf stiess. Damals arbeitete ich seit ein paar Monaten während der Vorlesungszeiten als studentische Hilfskraft für meinen späteren Doktorvater. Nach den Abwicklungsprozessen des Jahres 1992 war er auf eine der freigewordenen Stellen berufen worden und hatte in der Folge dann das Dienstzimmer seines Vorgängers im 25. Stock des Unihochhauses der Heldenstadt bezogen.

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Bodengänge

Wann war das?

… flüchtige Elektrik nur, in meinem Hirn abgelagert wie ein Schuhkarton mit irgendwas und unter vielen anderen in diesen holzlattenvergitterten Esstrichparzellen, auf „dem Boden“ wie es in meiner Kindheit bedrohlich klang, dessen schwache Beleuchtung mit schwarzen Hartplaste-Drehschaltern aus dem Baujahr des Wohnblocks herbeigerufen werden konnte, mit Gefühl.

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Der Tod und die Medien

Die Sozialen Medien entwickeln sich mit dem Fortschreiten der Zeit notwendigerweise auch zu digitalen Friedhöfen. Walls werden zu neuartigen Grabsteinen. An die verstorbenen Friends werden wir durch aufpoppende automatische Geburtstagsfeatures erinnert, solange es dieses Programm geben wird. Wenn niemand mehr lebt, die oder der diejenigen noch kennen konnte, an die erinnert werden soll, dann entsteht so etwas wie ein System wechselseitiger leerlaufender Erinnerungen, ein hohles Gefäss der Pietät, in dem nur noch digitale Geister spuken.

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We will rock you

1986. Wenn es finster wurde, die müden Strassenlaternen funzelten und die Feuchtigkeit des Tages zu Eis kristallisierte, sodass die Schritte auf den Betongussfeldern, die etwas zwischen Strassen und Weg bildeten, aber auch auf den alten Reichsautobahnen in Bretterrahmen bis zum Aushärten gegossen wurden, gleichsam als performativ erfahrbare Sprunginnovation (hätte man diesen Begriff damals doch nur schon gekannt, welche Kantinenlachsalven unter den witzsüchtigen Werktätigen!), nun … ich komme vom Thema ab …

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Tief in den 90ern. Ethik im Osten

Eigentlich wollte ich auf Nachfrage heute nur rasch einen frühen Text von mir online stellen, der trotz seines etwas abgelegenen Publikationsortes offenbar in Hochschulseminaren noch immer seine Verwendung findet. Das wäre eine Erleichterung. Einmal online, teilt man auch den Link, to whom Ethikdidaktik may concern. Auf Twitter ist das rasch gemacht, auf Facebook … fängt man doch an, den Text etwas vorzustellen. Ja, und dann weitet sich das aus. Bevor ich also etwas zum Aufsatz sagen kann, musste noch mehr gesagt werden …
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Bildmaterial: „Public History auf Abwegen“

Das aktuelle Heft 834 des Merkur. Gegründet 1947 als Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken widmet sich dem Schwerpunktthema „Heimat“. Ein paar mehr Erläuterungen und Informationen dazu hier: http://www.gesellschaftswissenschaften-phfhnw.ch/neue-heimatgeschichte/ 

Aus drucktechnischen und ökonomischen Gründen war es selbstverständlich nicht möglich, alle Bildquellen im Heft zu drucken, die ich dort gerne gehabt hätte. Auch der Grösse und der Abbildungsqualität mussten Grenzen gesetzt sein. Deshalb, und das ist der Anlass dieses Postings, möchte ich gerne das Originalmaterial hier noch nachliefern.

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3. Oktober

 

Immer wieder etwas *befremdlich*,
den 3. Oktober im nonchalanten Ausland zu verbringen. Und Deutschland dabei durchs Fenster zu sehen.

Am 3. Oktober 1990 wurde mein zwei Tage zuvor ausgestellter Studentenausweis ungültig. Mein Jahrgang war immer der letzte, der die Tür zumachte.

Am 3. Oktober 1990 um 0 Uhr stellte mein Lieblingsradiosender seinen Betrieb ein. DT64 hatten wir in der Nacht gemeinschaftlich bis buchstäblich zur letzten Sekunde gehört. Wie auf die Signale eines untergehenden Schiffes. Ungeheiztes klammes Zimmer im besetzten Haus in der Ernst-Thälmann-Strasse, die damals noch so hiess.

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Ad Langobardos

Ich musste nochmals zurück nach Italien.
Cividale, nicht nur wegen der lupenreinen Renaissancebauten incl. Palladio, vor allem wegen dieses „Volkes“ von vielleicht 100‘000 Personen, das Mitte des 6. Jahrhunderts, ursprünglich wohl zu grossen Teilen von der Mittelelbe kommend, in diversen Migrationskonflikten andere Kulturen und „Ethnien“ aufnehmend, über den bequemen Robič-Pass nach Norditalien strömte, über den zuvor und danach so viele zunächst fremde Anderskulturige meist feindlich gekommen sind, und dort ein Königreich errichtete, dessen Idee weit über die 200 Jahre hinaus bestand hatte, in denen seine Obrigkeit direkt Herrschaft auszuüben vermochte.

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Geographie von oben

Landschaft als menschengeformte, manchmal sogar menschengemachte Natur erschliesst sich meinem Verstehen von unterschiedlichster Warte: Beim Wandern, Fahrradfahren, beim Spaziergang, beim Klettern oder von Rand eines Bootes, wenn es nicht gerade eines diese supermotorisierten Schnellboote ist.
Überhaupt scheint die Geschwindigkeit der eigene Bewegung eine Rolle zu spielen für meine Fähigkeit, Landschaft als kulturelle Leistung aufzunehmen. Ein ICE, mein zweites Zuhause, gibt mir dafür kaum den nötigen Sinn, eine bequeme Regionalbahn in der Schweiz eher. Mich zieht es auch nicht an die Fensterplätze von Düsenjets, dort versuche ich dem systemischen Wahnsinn durch Noisecanceler und ein gutes Buch einigermassen Herr zu werden.

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Die Erfindung DER Ostdeutschen

Disclaimer: Ich äusserte mich lange nicht mehr so gern direkt zu diesem Thema, meine Bücher und Aufsätze zwischen 2000 und 2006 sollten reichen, dachte ich einmal. Erst globalgeschichtliche Themen, dann Public History und vor allem der Digital Change waren seitdem meine Schwerpunkte; es ist mühsam, als einer der wenigen heutigen Geschichtsprofessor_innen mit DDR-Sozialisation in allen möglichen Diskursen auf eben darauf festgelegt zu werden. Dabei könnte das Unterstellungsspiel immer auch reziprok verlaufen, oder? Aber so läuft es eben nie. Also, ich heute bin ich heute, das alles liegt lang zurück.

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