Immer wieder etwas *befremdlich*,
den 3. Oktober im nonchalanten Ausland zu verbringen. Und Deutschland dabei durchs Fenster zu sehen.

Am 3. Oktober 1990 wurde mein zwei Tage zuvor ausgestellter Studentenausweis ungültig. Mein Jahrgang war immer der letzte, der die Tür zumachte.

Am 3. Oktober 1990 um 0 Uhr stellte mein Lieblingsradiosender seinen Betrieb ein. DT64 hatten wir in der Nacht gemeinschaftlich bis buchstäblich zur letzten Sekunde gehört. Wie auf die Signale eines untergehenden Schiffes. Ungeheiztes klammes Zimmer im besetzten Haus in der Ernst-Thälmann-Strasse, die damals noch so hiess.

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Am 3. Oktober 1990 gewann ich keinerlei Rechte und Chancen hinzu, die ich nicht schon in den davor vergangenen 12 Monaten bekommen hatte.

Am 3. Oktober 1990 – feierte jemand in Leipzig? Ich kann mich nicht daran erinnern.

Am 3. Oktober 1990 hatten wir, wenn die Erinnerung mich nicht trügt, in Sachsen einen grauen kühlen Tag, nachts fielen die Temperaturen auf 11 Grad. Dieser verrückte freie Zwischen-Sommer war vorüber.

Dieser 3. Oktober 1990 tat ganz unverfänglich, wenn man kein TV hatte, kam daher wie ein x-beliebiger 3. Oktober, dabei war dieser 3. Oktober ein Tag der Beklommenheit, der Vorahnungen, bei mir und eigentlich allen, mit denen ich damals sprach.

All das wird – für mich – immer gegenwärtiger, je weiter es wegrückt, zeitlich, räumlich. Für meine Kinder sind meine Erzählungen von Herkunft und Erwachen nur Schatten an der Wand.

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