Ein Ausflug über die Grenzen der nach Osten weit ausufernden Stadt. Frühlingswärme, erste frische Erdbeeren zu kaufen an den Straßenrändern des Marchfelds. Ein Zwischenland, ein Schwemmland, etwa flach wie ein ungehobeltes Holzbrett. Das Ziel ist gesetzt, bis kurz davor keine Hinweisschilder, dann ein Parkplatz in Büschen, dann ein paar Schritte und der Blick öffnet sich spektakulär.

Heruntergekommen war es, unmittelbar gelegen in Sichtweite des Eisernen Vorhangs, als seit Mitte der 1980er Jahre sein „Wert“ langsam wiedererkannt wurde und man begann, in seine Erhaltung und Rekonstruktion zu investieren. Das konnte erst zu Beginn des neuen Jahrtausends abgeschlossen werden, so gewaltig waren der Aufwand und die Kosten für diese gewaltige Anlage.

Zuvor war es fast 100 Jahre eine Kaserne (die Kaiser seit Joseph II. konnten mit diesem Schloss 45 Kilometer ostwärts von Wien nichts anfangen, Franz Joseph ließ es dann endgültig umfunktionieren). Davor aber war es in prächtigem Zustand, Maria Theresia liebte es und liess das Innere des Schlossgebäudes ihrem klassizistischen Geschmack anpassen. Prinz Eugen, der geniale Feldherr der Habsburger, bekam das Grundstück mit dem ursprünglichen alten wehrhaften Renaissance-Schlösschen 1725 von seinem Kaiser Karl VI geschenkt: Das Marchfeld war zum Jagen gut.

Prinz Eugen liess das Schloss barock erweitern und um eine außerordentliche Parkanlage ergänzen, ein Park überwältigend in seinen Ausmaßen und seiner geometrischen Schönheit. Schloss und Park wurden zu einem Symbol der neuen Macht des Reiches und seiner Kaiser nach der militärischen Einhegung Frankreichs und der endgültigen Zurückdrängung des osmanischen Reiches nach Südosten. Die Epoche Karls VI. erscheint als die des grössten habsburgischen Glanzes.

Dass die Zweite Republik so viel investiert hat und investiert, um dieses Prachtareal an der slowakischen Grenze in seinen Ursprungszustand dauerhaft zurückzuversetzen, hat gewiss Gründe des Denkmalschutzes und (hier weniger!) der Tourismusökonomie – es geht offenbar um so etwas wie „Pflege des historischen Erbes“. Letzteres ist nichts, was sich von selbst erklärt, sondern ein durch und durch erklärungsbedürftiges historisches Phänomen.

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