Wenn das nichts ist! (Besprechung)

Bücher kommen auf den Tisch geflattert, viele. Dieses hier flattert allerdings immer weiter um meinen Kopf herum, es liegt mir immer noch nicht vor wie ein Verwaltungsakt im Faszikel dem späteren Historiker, es kommt nicht zur Ruhe. Als Freizeitleser würde ichs mir eigentlich wünschen, dass auf Horizonterweiterung und Erhebung die Beruhigung folgt, …

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Erzählanlässe

Als gerade tiefwestwärts immigrierter Doktorand, zum tatsächlichen Beginn des Jahrtausends, das war, als es weder A14 noch A38 gab, das war, als es noch wahre Buchhandelstempel in jeder City gab, in Dortmund die Mayersche zum Beispiel, noch in Konkurrenz zum bald geschlossenen Krüger, d.h. die Mayersche vor dem Umbau zum Geschenkeladen, d.h. der Ramschladen, die Bude, der dann vor ein paar Jahren zugemacht worden ist,

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Falsche Fährte

Jedenfalls einen Adalbert Stifter als Betrachter, obwohl kein Kunstwissenschaftler, wenn aber doch besessener Maler, hätte Joseph Fischer nicht hinter die sprichwörtliche Fichte geführt, respektive die Pappel! Auf keinen Fall, das kann man ausschliessen!

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Service

Wie alt dieses Porzellanservice ist? Keine Ahnung. Es wurde stets in Ehren gehalten – wenn auch für besondere Gäste immer wieder zum Tee benutzt, Reste von Teeschleier finden sich in Ritzen und Ecken. Seit heute steht es endlich bei mir im Regal, nach einer kleinen Odyssee durch Mitteleuropa. Kennen tue ich es, wie man so spricht, seitdem ich mich erinnern kann.

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Der Ohrensessel, der keiner war

Ein gewaltiger Ohrensessel,

so beginnt jetzt mal die Geschichte, viele Male von Polsterern neu bespannt. Aus niemals benannten Zeiten stammend, weitergereicht, keine Dutzendware. Zu der Zeit, die mir gerade vor den Augen steht, Oktober 1980, war er ockerfarben bezogen mit eingestempelten großen Blumenumrissen, Orchideenformen. Erstaunlicherweise können meine Fingerflächen jetzt in diesem Moment das Tastgefühl der so oft neu lackierten schwarzbraunen Armlehnen mit ihren nur mangelhaft kaschierten Macken und die Konturen des Überzugsstoffes neu erzeugen, als ob ich damals diesen körpervollen gewaltigen Sessel dauernd gestreichelt und umarmt hätte. Die Rezeptorneuronen meiner Nase erzeugen zu gleicher Zeit die besondere Strenge des Duftes aus dem Inneren seiner Polster neu, magisch, oder spielt mir hier mein Gehirn einen Streich? Gewiss, und einen dankenswerten.

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Reif sein

Mal unter uns. Wenn man nach beruflich relativ vielen verantwortlichen Jahren, fast 10 und in dieser Branche!, weit davongeht, von einem ganz eigentümlichen Arbeitsort, von einer ums Doppelte gedehnten inneren Zeit, kommt man, wenn es auch für die Einrichtung gut war, in die Verlegenheit, die eigenen Nachrufe zu redigieren. Das macht mich doch etwas trübsinnig.

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Aus der Gegenwart

Kommt,

lasst uns ausspazieren, | Zu hören durch den Wald | Die Vögel musizieren, | Dass Berg und Tal erschallt. (Martin Opitz)


In den Oberschenkeln spüre ich noch die Kraxelei, kein Wunder nach dem wochenlangen Sitzen. Zuletzt bin ich im Bermudadreieck zwischen Schreibtisch, Küche und Schlafzimmer verschollen gegangen, nur der Twitterfunk sendete noch Lebenszeichen, oftmals grantelnder Natur, in den sozialen Orbit.

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Natura magnis timoribus

Sie

hielten das für schlimmer, was wirklich eingetreten war.

Am Beginn und am Ende meines Tages lese ich gern die alten Historiographen (ausser Anna Komnena kenne ich keine Historikerin in der alten Geschichte). Seit einigen Wochen lese ich Tacitus, erst Agricola und Germania, dann die Annalen, deren Lektüre sich noch heute Abend bedauerlicherweise abschliessen wird, dann kommen nochmals die Historien mit viel Aufmerksamkeit. Vorher war Cassius Dio meine Freizeitlektüre usw. Im Studium hatte ich vor allem die Griechen und etwas Livius gelesen, Thukydides blieb mir dauerhaft praktische Referenz. Aber es war doch links und rechts davon nur „Übersichtswissen“, schubladisierte Namen, Positionen, Sprüche.

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Sanjay

Die Lebensphase,
in der die Vertrauten leicht ungeduldig zu werden beginnen, wenn man eine Geschichte erzählt, von der man selbst ziemlich genau weiss, dass sie am Ende einen Clou hat, die Zuhörerinnen das allerdings aus Erfahrung nicht nur auch ahnen, sondern so selbstverständlich erwarten wie die Hitze im nächsten Sommer, was man so in meiner Jugend gar nicht geschrieben hätte, hätte schreiben können, sondern zweifellos zweckpessimistisch geschrieben hätte von der sicheren Erwartung verregneter Ferien, aber …

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