Ich beziehe mich auf diesen früheren Blogpost: BdK: Bibliothek deutscher Klassiker (3.1.2018)

Das neueste Wikipedia-Studierendenprojekt aus meiner Schweizer Hochschule ist online. Ich bin wirklich ziemlich stolz auf diese Seminarteilnehmer_innen. In kurzer Zeit haben Sie Erstaunliches kollaborativ zuwege gebracht und das Weltwissen relevant bereichert. Und dabei noch praktisch sehr viel über den digitalen Wandel gelernt … hoffe ich doch.


Mehr zu diesen regelmässigen Projekten: http://www.gesellschaftswissenschaften-phfhnw.ch/wikipedia…/

Neu in der WP nun also ein eigenständiges BdK-Lemma. Helfen Sie mit bei der weiteren Verbesserung! So ist das dort. Kein Abschluss.

„Das großangelegte und noch heute in sehr vielen Bücherregalen präsente Editionsunternehmen des Volksverlags Weimar (bis 1964) und dann des Aufbau-Verlags (Berlin/DDR) war eine staatlich gesteuerte „Volksausgabe“, heute würde man sagen Leseausgabe, initiiert vom Ministerium für Kultur (DDR), die diejenigen deutschsprachigen Autorinnen und Autoren einer breiten Leserschaft zugänglich machen wollte, die einerseits aus Sicht der SED-Führung und der vorherrschenden Staatsideologie akzeptabel waren und denen andererseits von der zeitgenössischen Germanistik der Status eines Klassikers zugewiesen worden ist. Lese- bzw. Volksausgaben wie diese stehen in einer kulturellen Tradition.[1]“

Die wissenschaftliche Vorarbeit dazu hat v.a. Marcus Gärtner geleistet, davon konnten die Studierenden zehren; referenziert sind auch die wichtigen editionskritischen Hinweise von Gustav Seibt, die er zuerst auf FB geäussert hat. Danke nochmals dafür!

Teil meiner regelmässigen studentischen Wikipediaprojekte konnte dieses Thema werden (und es war nicht schwer, die Schweizer Studierenden vom Reiz dieses scheinbar abgelegenen Themas zu überzeugen), weil es irgendwann im Herbst einmal eine wundervoll neugierige Frage meines Kölner Freundes Jürgen Hermes zu einem Twitter-Austausch des hochgeschätzten Andre Gottwald und mir gab. Sua fata habent Wikipedia-Lemmata, und es ist mir wichtig, an solche kulturellen Schmetterlingsflügelschläge zu erinnern.

Sie sind vielleicht nicht viel, aber ohne sie ist alles nichts: Freundliche und neugierige Nachfragen an die Differenz kultureller Erfahrungen. Ein offenes Herz gegenüber den Ungleichzeitigkeiten in der gesellschaftlichen Gleichzeitigkeit. Nötige Klugheit vermischt mit einer kleinen Spur Weisheit.

 

Hier gehts zum neuen Wikipedia-Lemma: https://de.wikipedia.org/…/Bibliothek_deutscher_Klassiker_(…

Ein Gedanke zu “Bibliothek deutscher Klassiker. Zur Wiedervorlage

  1. Bei aller Kritik an der BDK bedenke man die Intention der Herausgeber, wie sie z.B. am Ende von Bd. 5 der Lessing-Ausgabe (Weimar 1959) steht:
    Mit der „Bibliothek deutscher Klassiker“ soll eine Volksbibliothek der lebendigen und weiterwirkenden Literatur deutscher Sprache vom Zeitalter des Bauernkrieges bis zur Ende des neunzehnten Jahrhunderts geschaffen werden, die, einem breiten Leserkreis die bedeutenden Werke unseres literarischen Erbes in Auswahlausgaben auf wissenschaftliche Grundlage vermittelt. Die Werke der großen Dichter und Schriftsteller sollen Lieb und Verständnis für die schöne Literatur wecken und fördern und ein fortschrittliches Welt- und Geschichtsbild vermitteln. Auf diese Weise wollen Herausgeber und Verlag bei der sozialistischen Kulturrevolution in der Deutschen Demokratischen Republik mitwirken.
    Die „Bibliothek deutscher Klassiker“ wurde von den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar unter Mitwirkung von: Nationalpreisträger Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhart Buchwald, Heidelberg; Nationalpreisträger Louis Fürnberg, Weimar; Helmut Holtzhauer, Weimar Prof. Dr. Leopold Magon, Berlin; Nationalpreisträger Prof. Dr. Hans Mayer, Leipzig; Prof. Dr. Joachim Müller, Jena; Wilhelm Rücker, Weimar Dr. Heinz Stolpe, Weimar und Prof. Dr. Hedwig Voegt, Leipzig, begründet und erscheint seit 1955 in zwangloser Folge im Volksverlag Weimar.
    Der vorläufige Plan für die „Bibliothek deutscher Klassiker“ sieht folgende Ausgaben vor (die mit Bandzahlen versehenen Ausgaben sind bereits erschienen):
    Flugblätter und Schriften zum Bauernkrieg • Volksbücher • Narrenbücher • Schwänke (1 Band) • Hans Sachs • Lyrik des 17. Jahrhunderts • Gryphius • Grimmels¬hausen • Chr. Reuter • Günther (1 Band) • Klopstock • Wieland • Lessing (5 Bände) • Winkelmann • Herder (5 Bände) • Lenz Klinger (2 Bände) • Bürger (1 Band) • Schubart (1 Band) • Voß • Lichtenberg • Moritz • Bräker • Goethe (10 Bände) • Schiller (5 Bände, 1 Ergänzungsband) • Jean Paul • Forster • Hölderlin • Kleist • Seume • Tieck • Arnim • Brentano • E.T.A. Hoffmann • Chamisso • Eichendorff • Bettina von Arnim • Grillparzer • Raimund • Hauff (2 Bände) • Börne (2 Bände) • Immermann • Heine (5 Bände) • Grabbe • Büchner • Nestroy • Lenau • Mörike • Droste-Hülshoff • Freiligrath • Herwegh • Weerth • Hebbel • Stifter • Keller • Storm • Fritz Reuter Raabe • Anzengruber • Fontane • Volkslieder • Spruchdichtung • Fabeln
    Briefe: Lessing • Herder • Goethe • Schiller • Heine • Keller • Fontane

    Die meisten Ausgaben sind in der Zeit von 1955 – 1974 erschienen, bis zur Einstellung der Reihe ist nur noch wenig hinzu gekommen (5 Autoren). Einige Ausgaben sind überarbeitet worden (z.B. Goethes Werke durch Walter Dietze (1980 als 4. Aufl. der Werke in 12 Bänden, oder Hans Sachs Werke in 2 Bd. durch Reinhard Hahn als 1. Aufl. 1992), die Heine-Ausgabe erhielt unverändert mindestens bis 1988 17 Auflagen.
    Und die etwas naseweisen Kritiker der Volksausgaben (Volksausgaben, Auswahlausgaben, keine historisch-kritischen Werkausgaben!) sollten bedenken, was 1991 Hans Mayer in einem Interview des Börsenblatts des deutschen Buchhandels zu Protokoll gab: „Die Literaturwissenschaft der DDR ist nicht nur Ideologie gewesen. Die Bibliothek der Deutschen Klassiker, die in Weimar herausgegeben wurde, ist sensationell gewesen, und das zu einer Zeit, als kein westdeutscher Verlag daran dachte. In allen germanistischen Seminaren der Bundesrepublik hat man sich der Weimarer Ausgaben bedient.“ So unter Reclam-Niveau scheinen die Ausgaben dann doch nicht gewesen zu sein.

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